Anfahrt
Man fährt aus Burgsteinfurt heraus Richtung Leer, nach ca. 1,2 km rechts
abbiegen (Hinweisschild: Loreto), die erste sofort wieder links abbiegen,
geradeaus und hinter der zweiten Einfahrt (auf der rechten Seite) nach
ca. 600 m anhalten. Auf der linken Seite ist ein Friedhof.
Gegenüber ist der Wald mit dem Kreuzweg.
Am besten man folgt dem Hinweisschild.
Das Haus Loreto
Link-Tipp: haus-loreto.de
Die Mariengrotte
Hier wird insbesondere Maria verehrt.
Die Kapelle
Im Wald findet man zudem eine wunderschöne, kleine Kapelle.
Die Künstlerin
Gestaltet wurde der Kreuzweg von Schwester Kunigild Thieg (1913-),
einer Vorsehungsschwester aus Münster.
Der Kreuzweg
Die Kreuzwegstationen, in der Form von Stelen, sind aus Sandstein.
An der Vorderseite sowie an der linken und rechten Seite befinden sich
Reliefs.
Die Bilder greifen Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament auf.
Die letzte Station hat zudem an der rechten Seite
sowie auf der Rückseite (!) eine Inschrift.
In der Regel besteht ein Kreuzweg aus fünfzehn Stationen.
Der Kreuzweg im Wald besteht aus vierzehn Stationen.
Reihenfolge und Bezeichnung der Stationen sind zumeist identisch.
Der Ausgestaltung und Umsetzung der einzelnen Stationen, in diesem Falle
der Vorderseiten, sind demzufolge inhaltliche Grenzen gesetzt.
Die künstlerische Verwirklichung bleibt dem kreativen Können
und Verständnis des Malers, Bildhauers etc. überlassen.
Jeweils die linke und die rechte Seite der Kreuzwegstationen hingegen
entspringen allein der Frömmigkeit und der theologischen Deutung,
letztlich der künstlerischen Freiheit der Künstlerin,
also Schwester Kunigild Thieg.
Die Künstlerin verknüpft hierbei die einzelnen Kreuzwegstationen mit
Szenen, Bildern und Überlieferungen aus dem Alten und Neuen Testament,
wobei sich hierbei ihre sowie übernommene Deutungen widerspiegeln.
Ein Kreuzweg wird in der Regel nicht nur still betrachtet, sondern gebetet.
Gebetsanregungen (in Form kleiner Heftchen) hält das Haus Loreto bereit.
Kurzum:
Insbesondere die künstlerische Umsetzung der Seitenwände regen
zur kritischen Reflektion an, sowohl mit der Wahl und Umsetzung der
Darstellungen als auch mit deren Verknüpfungen und Deutungen,
und nicht nur zuletzt mit dem eigenen Glaubensverständnis.
Station 2
Rechte Seite: In der Bibel wird das Schaf oftmals als Sinnbild für den
der Fürsorge, der Leitung und des Schutzes bedürftigen Menschen
verwendet, der - sich selbst überlassen - verloren geht
(Jes 53,6; Mt 9,36).
Jesus als guter Hirte schenkt dem Menschen göttliche Erbarmung und
Fürsorge, lässt sein Leben für seine ‘Schafe’ (Joh 10,2ff., 1 Petr 2,25).
Station 3
Rechte Seite: Gott hatte - so die alttestamentliche Erzählung - während
der Wanderung durch die Wüste zur Strafe giftige Schlangen
unter sein Volk - das Volk der Israeliten - geschickt.
Mose hatte - auf Geheiß Gottes - das Bild einer Schlange aus Kupfer oder
Bronze an einer hohen Stange aufgerichtet.
Alle Israeliten, die von einer Schlange gebissen worden waren, wurden nun
durch einen Blick auf diese Eherne Schlange gerettet (4 Mo 21, 1-9).
Mit diesem alttestamentlichen Ereignis wird Jesu Kreuzestod und dessen
Heilswirkung verglichen (Joh 3,14-17):
“Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der
Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt,
durch ihn ewiges Leben habe.
Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe,
sondern ewiges Leben habe.
Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richte,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.”
Station 6
Vorderseite: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
Veronika wird seit dem 13. Jahrhundert dem Kreuzweg Jesu zugeordnet,
und zwar der 6. Kreuzwegstation.
Gerade in dieser Zeit entwickelte sich, im Zuge des großen Bedürfnisses
nach Sichtbarem, nach Reliquien, die Legendenbildung stetig weiter.
Veronika wird schließlich als eine der Frauen betrachtet,
die laut Lk 23,27 Jesus während seiner Passion begleiten.
Lukas selbst nennt jedoch keine Frau beim Namen.
Möglicherweise handelt es sich hierbei um die bei Matthäus (Mt 9,20)
namentlich erwähnte Veronika.
Auf dem Jesu gereichten Schweißtuch soll sich dann der Legende nach
Jesu Antlitz samt Dornenkrone abgebildet haben.
Übersetzt bedeutet der Name Veronika u.a. soviel wie
‘Das wahre/ wahrhaftige Bild/ Bildnis’.
Ob dieser Name Veronika also nachträglich mit eindeutigem wörtlichem
Bezug zum ‘wahren Abbild’ Jesu auf dem Schweißtuch in die Legenden-
bildung aufgenommen wurde, wird wohl nicht mehr zu klären sein.
Aus dem Glauben heraus kann man dies aber auch als Aufforderung an
den Gläubigen verstehen, selbst ‘Bild’, ‘Vorbild’ im Sinne einer Nachfolge
Christi zu sein.
Um dieses Tuch bildeten sich im Mittelalter verschiedene Geschichten
und Legenden, so auch um die Person Veronika.
Bis heute konkurrieren mehrere Tücher darum, das überlieferte
Schweißtuch der Veronika zu sein.
Nicht zu verwechseln ist das Schweißtuch der Veronika
mit dem sogenannten ‘Turiner Grabtuch’.
Noch heute wird während der Passionszeit in Rom
auf dem Reliquienbalkon ein Veronika-Tuch gezeigt.
Station 10
Rechte Seite: Aufbewahrt wird die Reliquie ‘Heilig Rock’, das Gewand Jesu,
im Trierer Dom. Der Legende nach, die im 12. Jahrhundert entstand,
soll es sich hierbei um ein Geschenk der Kaisermutter Helena handeln
Jedes Jahr finden in Trier die sogenannten ‘Heilig Rock’ Tage statt.
Über die ‘Echtheit’ des Gewands wird trefflich gestritten.
Station 11
Vorderseite: Mit der Frau unten links verweist die Künstlerin darauf,
dass Jesus im übertragenen Sinne nicht nur von den Soldaten gekreuzigt
wurde.
Station 13
Linke Seite: Die Weissagung Simeons. Dieses Relief spielt auf eine
Erzählung aus dem NT an. Demnach soll der Heilige Geist Simeon
vorausgesagt haben, er werde nicht sterben, bevor er nicht den
Messias gesehen habe. Als Simeon dann (das Kind) Jesus zusammen
mit seinen Eltern im Tempel von Jerusalem begrüßte, erkannte er
in Jesus den Messias und weissagte über Jesus und Maria:
Und siehe, es war in Jerusalem ein Mann namens Simeon; er war gerecht
und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und heiliger Geist
war über ihm. Ihm war vom Heiligen Geist geoffenbart worden, er werde
den Tod nicht sehen, bevor er den Messias des Herrn gesehen habe.
Er kam im Geiste in den Tempel, und als die Eltern das Kind Jesus
hereinbrachten, um nach dem Brauch des Gesetzes an ihm zu tun,
nahm er es in seine Arme, lobte Gott und sprach:
“Nun entlässt du deinen Diener, Herr, nach deinem Worte in Frieden;
denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du bereitet hast im
‘Angesicht aller Völker, ein Licht zur Offenbarung für die Heiden und
zur Verherrlichung deines Volkes Israel.”
Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm
gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria:
“Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zum Aufstehen vieler in Israel
und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird;
aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen, auf dass
die Gedanken aus vielen Herzen offenbar werden.”
Station 14
Vorderseite: Am Grab die Fußstapfen der Himmelfahrt, darüber auf dem
Himmelsbogen der wiederkommende Herr in der Mandorla der Herrlichkeit
mit dem Buch zum Gericht.
Mandorla = die ganze Gestalt umgebender Heiligenschein
Rückseite: Maranatha ist ein aramäischer Ausdruck und bedeutet soviel
wie “der Herr ist gekommen” oder “Herr, komm !” (1 Kor 16,22).
Ähnlich wie die Begriffe Halleluja oder Amen wurde offenbar dieser
Ausdruck in den frühen Gemeinden verwendet.
Es bezeugt, dass Jesus gekommen und die Erlösung vollbracht hat.
Oder man bittet um seine Wiederkunft (Off 22,20).
Quellennachweis
Alle Zitate in blauer Schrift zitiert aus:
Verlag Herder: Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes
Vollständige Deutsche Ausgabe. Freiburg im Breisgau 1977
Rienecker, Fritz: Lexikon zur Bibel. Brockhaus-Verlag. 2. Sonderauflage
19. Gesamtauflage. Wuppertal 1991
Hauck, F./ Schwinge, G.: Theologisches Fach- und Fremdwörterbuch.
7. erneut durchgesehene und ergänzte Auflage. Göttingen 1992
katholisch.de
heiligenlexikon.de
Kreuzweg im Wald
Haus Loreto in Horstmar-Leer
Hinweise
Anmerkungen
Erläuterungen
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katholische Religionslehre
von Guido Herting (August 2012)
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