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Zur Geschichte unserer Kirche
oder:
Warum musste eine neue Kirche gebaut werden ?
Was die Menschen damals glaubten
In Deutschland hatten alle Fürstentümer, Grafschaften und
Königshäuser lange Zeit eines gemeinsam: ihren Glauben.
Sie gehörten zur katholischen Kirche.
Martin Luther und die Reformation
Doch sollte schon bald das, was die Menschen lange miteinander
verband - nämlich der Glaube - die Menschen voneinander trennen.
Seit ungefähr 1520 gab es von vielen Christen den Wunsch nach
Veränderungen.
Das, was und wie bislang geglaubt worden war, wurde in Frage
gestellt. Vieles, wurde als “nicht recht/ falsch” angesehen.
Man suchte nach dem “richtigen” christlichen Glauben.
Den Namen Martin Luther hast du vielleicht schon einmal gehört.
Martin Luther - ein Mönch - war einer derjenigen,
die sich ganz besonders für diesen Wunsch nach Veränderungen
innerhalb der Kirche und für eine Erneuerung des christlichen
Glaubens eingesetzt haben.
Man nennt diese Zeit die Zeit der Reformation.
Katholisch und Evangelisch
Nun gab es Könige, Fürsten, Grafen und Menschen die weiterhin
daran festhielten, wie und was bislang geglaubt worden war.
Diese sind die katholischen Christen.
Und es gibt die Könige, Fürsten, Grafen und Menschen,
die sich der Reformation anschlossen.
Das sind die evangelischen Christen, wie sie sich später nannten.
Das alles führte zu Streitigkeiten und Kämpfen: zwischen den
Fürstenhäusern und zwischen den Einwohnern einer Stadt.
Jeder war davon überzeugt, den “richtigen” Glauben zu haben.
Keiner wollte “sein” Kirchengebäude dem anderen freiwillig
überlassen.
Nicht jeder Einwohner einer Stadt wollte den Glauben wechseln
oder beibehalten.
Burgsteinfurt wird evangelisch
Der Graf von Burgsteinfurt führte 1544 die Reformation in
Burgsteinfurt ein.
Fast alle Einwohner folgten ihrem Grafen und traten ebenfalls
zum evangelischen Glauben über.
Der erste Streit um die große Kirche
Die Johanniter, eine Gemeinschaft von Rittern und Priestern,
die direkt neben der großen (Willibrord-)Kirche lebten,
wollten jedoch katholisch bleiben.
Deshalb behielten sie die Kirche für sich und verweigerten den
evangelischen Christen den Gottesdienst in der Kirche.
Der Graf wagte nicht, die Johanniter zu vertreiben.
Die Einwohner der Stadt mussten sich daher in der kleinen Kirche
zusammendrängen.
Der Fürst bestimmmt den Glauben einer Stadt
Wie in Burgsteinfurt kam es auch in anderen Städten zu
Streitigkeiten zwischen den Einwohnern, aber auch zwischen
Königreichen, Grafschaften und Fürstentümern.
Erst der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte eine
Einigung. Nun galt folgende Regel: Jeder hatte den Glauben
anzunehmen, den auch sein Fürst, Graf oder König hatte.
Der, dem das Land gehört, bestimmt über den Glauben
der Einwohner, also seiner Untertanen.
Das Burgsteinfurter Reformationsfest
Am 25. Januar 1564 schließlich feierten die Burgsteinfurter
erstmals wieder den Gottesdienst in der großen Kirche.
Seitdem erinnert man sich heute hieran als das
Burgsteinfurter Reformationsfest.
Der Dreißigjährige Krieg
Doch nahmen in den nächsten Jahren in ganz Deutschland
die Streitigkeiten wieder zu.
So kam es dazu, dass - von 1618 bis 1648 - ein sehr schlimmer
Krieg in Deutschland herrschte.
Dieser Krieg dauerte dreißig Jahre.
Deshalb wird er auch der Dreißigjährige Krieg genannt.
In Deutschland hatten dreißig Jahre lang Fürstentümer,
Grafschaften, Königshäuser, Städte und Dörfer miteinander
gestritten und gegeneinander gekämpft.
Und auch Könige aus anderen Ländern zogen mit ihren Soldaten
durch ganz Deutschland.
Und wer heute noch Freund war, konnte morgen schon Feind sein.
Und wer heute noch Feind war, mit dem kämpfte man schon bald
gemeinsam gegen die Freunde von gestern.
Burgsteinfurt leidet unter dem Krieg
Burgsteinfurt wurde während dieser Zeit immer wieder von
fremden und feindlichen Soldaten-Truppen angegriffen,
besetzt, beraubt, angezündet, verwüstet ...
Das war eine sehr schlimme Zeit für alle Menschen.
Oftmals musste Burgsteinfurt, die fremden Soldaten mit
Unterkunft, Lebensmitteln und mit Geld versorgen.
Und das, obwohl Burgsteinfurt seine eigenen Einwohner kaum
ernähren und versorgen konnte.
Der Westfälische Friede von Münster und Osnabrück
Erst der sogenannte Westfälische Friede von Münster
und Osnabrück im Jahre 1648 beendete diese schlimme Zeit.
Burgsteinfurt wird trotzdem von Soldaten besetzt
Obwohl alle sich auf einen Frieden geeinigt hatten,
besetzten dann Truppen aus Münster die Stadt Burgsteinfurt.
Das geschah im Jahre 1660.
Das heißt: fremde Soldaten kamen erneut in unsere Stadt.
Sie gehörten zum katholischen Fürstbischof von Münster.
Sechzig Jahre lang blieben diese in Burgsteinfurt.
Alle Einwohner mussten den Soldaten Unterkunft,
Nahrung und Geld bezahlen.
Das war für Burgsteinfurt sehr teuer.
Der zweite Streit um die große Kirche
Während dieser Zeit kamen auch wieder viele Menschen nach
Burgsteinfurt, die katholische Christen waren.
Der Fürstbischof zwang dann die Einwohner und den Grafen von
Burgsteinfurt dazu, sich die Große Kirche mit den katholischen
Einwohnern und Soldaten zu teilen.
Das war auf die Dauer problematisch.
Zudem waren die hohen Kosten für die fremden Truppen eine
schwere Last für Graf und Stadt.
In Burgsteinfurt darf jeder selbst seinen Glauben wählen
Der Burgsteinfurter Graf gewährte dann allen Burgsteinfurtern
- und das war damals sehr ungewöhnlich - Religionsfreiheit.
Das bedeutete, dass die Einwohner von Burgsteinfurt nicht
- so wie es damals üblich war - den Glauben des Grafen
annehmen mussten, sie konnten also auch Katholiken bleiben.
Unsere Pfarrkirche wird gebaut
Zudem bekamen die katholischen Christen die Möglichkeit,
sich ein eigenes Gotteshaus, eine eigene Kirche, zu bauen.
Bis die neue Kirche fertiggestellt war, teilten sich die Christen
in Burgsteinfurt die Große Kirche.
Schließlich wurde noch ein Vertrag geschlossen, es wurden also
Regeln aufgestellt für evangelische und katholische Christen.
Es wurden Regeln vereinbart für Gottesdienste, Taufen,
Eheschließungen, Prozessionen, das Glockengeläut und vieles mehr.
Eine Stadt - aber lange Zeit getrennt im Glauben
So lebten die Christen in Burgsteinfurt für lange Zeit getrennt
voneinander, bestenfalls nebeneinander.
Man heiratete nur untereinander, Kinder besuchten verschiedene
Kindergärten und Schulen, man spielte nicht miteinander ...
Auch bei den Armen wurden Unterschiede gemacht.
So bekamen nur evangelische Christen in Burgsteinfurt
Unterkunft und Unterstützung von der Stadt.
Gemeinsam - miteinander - füreinander in Freundschaft
Wie ist das denn heute ?
Heute können alle miteinander spielen, in dieselbe Schule oder in
denselben Kindergarten gehen.
Niemand fragt mehr den anderen, ob er oder sie katholisch oder
evangelisch ist.
Wir alle können befreundet sein mit den Menschen, die wir mögen.
Und wenn man sich liebt und heiraten möchte, dann spielt es keine
Rolle, ob beide katholisch oder evangelisch sind.
Das kannst du dir heute bestimmt nicht vorstellen,
dass das damals anders gewesen ist.
Aber die Menschen mussten noch viel lernen ...
Gut, dass auch diese Zeit mittlerweile vorbei ist !!!
Gut, dass alle Menschen heute Freunde sein können !
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Guido Herting (Januar 2013)
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